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Schauspiel

Stefan Tzanev
Die Hölle - das bin ich

Melodrama

Übersetzung und Bearbeitung aus dem Bulgarischen:
Marianne Janietz und Stella Petkow

Ein Künstlerehepaar - eine Schauspielerin und ein Musiker im heutigen Bulgarien - erfährt die "Hölle auf Erden".
Eifersucht, Misstrauen, wirtschaftliche Zwänge und die nicht zu tilgenden Schatten einer scheinbar längst
überwundenen Vergangenheit führen zur tödlichen Konsequenz. Die Vorwürfe und Rechtfertigungen der Frau,
die von der Stasi als Informantin missbraucht wurde, pariert der Mann mit seinem Schweigen und der Stimme
seiner Musik, die beschwört, was einst Erfüllung war.

Bestellnummer kom 0004

Leseprobe:
Wir drehten einen Film in einem Dorf. Ich war in einem Zimmer über der Kneipe einquartiert. Den ganzen Tag auf den Hügeln, abends in der Kneipe. Nach Mitternacht stieg ich nach oben - Hitze, Finsternis, ich lag auf den weißen Bettlaken nackt und einsam wie eine Wasserleiche, angeschwemmt an einer menschenleeren Insel... Eines Nachts öffnete er die Tür, warf seine Wirtsschürze ab, darunter war er nackt - und warf sich auf mich.

Im Morgengrauen ging ich runter in die Kneipe, um mich zu waschen, ich beugte mich über das Waschbecken, und in der Dämmerung sah ich, wie Weichtiere aus dem Rohr krochen - Nacktschnecken, dick wie männliche Glieder, fettig und metallisch leuchtend, ohne Augen und ohne Gliedmaßen stiegen sie aufeinander - Gott, sie nahmen einander, im Schmutz zwischen den ungewaschenen Tellern, und ließen hinter sich weißen Schleim!

Sie rennt ins Bad. Erbricht sich. Nach einiger Zeit kommt zurück.

Auch heute noch kann ich mich aus diesem Alptraum nicht befreien, meine Därme drehen sich um: eine Nacktschnecke, ich bin eine Nacktschnecke, ohne Augen und ohne Gliedmaßen, und auf meinen glitschigen Körper rutscht der glitschige Körper einer anderen Nacktschnecke!

Sie greift nach der Pistole auf dem Tisch, steckt sie in die Hände des Mannes.

Hier, nimm die Pistole, ich bitte dich - erschieß mich. Wenn du ein Mann bist - erschieß mich!

Der Mann nimmt die Pistole, sieht sie an, dreht sie in seinen Händen, legt sie auf den Tisch. Die Frau explodiert, schreit:

Ich kann dich nicht ertragen! Ich hasse dich! Ich kann diese Hölle nicht mehr ertragen, in der ich der schmutzige Teufel bin, und du der Engel!

Ja, ich bin die Hölle! Aber wer hat diese Hölle erschaffen? Wer schuf diese ganze Hölle? Wer ist schuld - das Opfer, das auf dem Marktplatz gequält wird, die Henker, die das Opfer quälen oder diejenigen, die zusehen und schweigen? (voller Hass zum Publikum) O nein, ihr habt nicht geschwiegen - ihr habt sogar überhaupt nicht geschwiegen! Oder werdet ihr sagen, man hat euch, mit auf euch gerichteten Waffen gezwungen auf den Platz zu gehen, um „Hurra" zu schreien? Warum habt ihr geschrien? Warum habt ihr damals „Hurra" geschrien, und jetzt gebt ihr euch als Helden oder als Heilige aus - und ihr seid bereit, zu richten, nicht wahr? (schreit in alle Richtungen) Ihr seid Mitautoren dieser Hölle! Dieser furchtbaren eigenen Hölle! Ihr alle! (zum Mann) Und du! Warum hast du mich allein gelassen? Warum hast du mich nicht aufgehalten? Warum hast du kein ein einziges mal gefragt, woher wir so viel Geld haben - wir haben doch mehr ausgegeben, als wir verdienten - woher?