|
|
Klaus Schlette Märchenspiel für 5 m, 3 w Darsteller, mind. 3 m, 1 w, 1 Bild, diverse Schauplätze Die kleinen und großen Kinder bekamen eine lustige, spannende, abwechslungsreiche Geschichte zu sehen, die genau ein Jahr und sieben Monate vor dem Ende der Märchenzeit spielt. - Klaus Schlette hat ein eindrucksvolles Märchen geschrieben. Mit kindgerechter, durchaus moderner Sprache. (Bayerischer Rundfunk) Bestellnummer: 9418 Leseprobe: ERZÄHLER
Bis zu diesem Moment hatte Bella nur zugehört und geschwiegen. Jetzt
sagte sie: BELLA Ich gehe zu der Bestie. - Warum seht ihr mich so entgeistert
an? - Haltet ihr es für besser, wenn unser Vater gefressen wird? Ich glaube,
der wird viel nötiger gebraucht als ich, und ich würde aus Kummer über seinen
Tod sowieso eingehen wie ein Primel. Die einzige Mühe, die auf euch zwei, liebe
Schwestern zukommen wird, ist, dass ihr euch ein wenig um den Haushalt kümmern
solltet, aber das müsstet selbst ihr lernen und schaffen können.
VATER
(nach einer Pause)
- Das - das kommt überhaupt nicht in Frage, dass du dahin gehst! Ich bin alt
genug, um zu wissen, dass ich auch alt genug bin, um zu sterben. Ich habe
ohnedies nicht mehr lange zu leben. Was verliere ich also? Das einzige, worum es
mir leid tut, ist, dass ich euch, meine lieben Kinder, allein zurücklasse. Aber
ihr seid alt genug, um euch zurechtzufinden in dieser keineswegs nur
freundlichen Welt. BELLA Du kannst mich nicht hindern, dir zu folgen. ERZÄHLER
Alles Reden war umsonst: Bella ließ sich nicht von ihrem Vorhaben
abbringen, zu der Bestie zu gehen. Als der Vater spät abends in seine Stube
ging, um sich schlafen zu legen, stand da eine Truhe, die er noch nie gesehen
hatte. Er hob den Deckel und stand starr vor Staunen: Kleider und Schmuck und
Goldstücke lagen darin, und erst jetzt sah er, dass gleich neben der Truhe das
beste neue Werkzeug und Geräte für die Landwirtschaft standen. Er hatte das
Versprechen der Bestie, ihn nicht mit leeren Händen nach Haus kommen zu lassen,
völlig vergessen gehabt. VATER Und was tu ich jetzt? Erfahren die Töchter, dass wir wieder
etwas Geld haben, wollen sie unverzüglich zurück in die Stadt ziehen. Dabei
bekommt uns allen - auch den beiden - das Leben auf dem Land viel besser.
Andererseits: ohne Mitgift, d.h. ohne eine gewisse Zugabe, finden die beiden älteren
nie einen Mann. ERZÄHLER
Also sag es ihnen, und du bist die Sorge um sie sicher bald los. Die
Jungs werden sich sehr über die neuen Geräte freuen, und vielleicht sieht
Bella die Situation durch die Geschenke der Bestie auch ein wenig anders. VATER Und wie, meinst du, soll sie die sehen? ERZÄHLER
Ich - wieso - ich hab keine Ahnung, ich meine nur, vielleicht ist es ihr
ein Trost - VATER Vielleicht. ERZÄHLER
Nachdem er die Sachen so gerecht wie möglich an die Kinder verteilt
hatte, gingen die beiden älteren Schwestern umgehend in die Stadt auf Männersuche. SCHWESTERN
- Gott sei Dank! Das Kapitel Landleben ist abgeschlossen. ERZÄHLER
Die Freude der Brüder über die neuen Spaten, Hacken, Körbe und Harken
blieb durch die Drohung der Bestie und Bellas Entschlossenheit, sich für den
Vater zu opfern, sehr gedämpft. Bella selber lachte, als sie die Sachen sah: BELLA Ich weiß nicht, was ihr alle gegen jemanden habt, der euch
so reich beschenkt. VATER
Dieser jemand ist ein Ungeheuer! |