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Aristophanes - Schlette Darsteller: 5 m, 4 w, 1 Bild 411 v. Chr.: Die Männer führen Krieg, und
alle Welt leidet darunter. Lysistrata fordert die Frauen auf, sich den Bestellnummer: 9420 Leseprobe: CHORUS (kommt
unfeierlich auf die (leere?) Bühne, spricht ohne Umstände los, a.sp.)
Sie kennen die Griechen - neinnein, nicht den Papadopulos da nebenan mit seinem
Gyros, Metaxa, und der heißen Suzuki! - nein, ich meine die von früher, die
‘alten Griechen’, die Griechen der Antike. - Ich versichere Ihnen, mir sind
selten so lose Zipfel begegnet, wie die. Der Ausdruck ‘lose Zipfel’ stammt
übrigens von denen und wurde nicht etwa nur privat in kleinem Kreis in den Mund
genommen - verwendet - nein, in aller Öffentlichkeit: im Theater, und das war
bei denen die öffentlichste Öffentlichkeit, so was gibts heute gar nicht mehr:
bei uns gehen in einer Stadt wie Landshut (Passau) 350 Leute ins Theater: Auserwählte,
Hirnprivilegierte, die Creme dela Creme der Intelligenz - jajaja, sonst wären
Sie ja nicht hier! - dort waren es in einer etwa gleichgroßen Stadt bei drei
Aufführungen vor je 21.000 Leuten exakt 63.000, die im Theater waren, also sämtliche
Einwohner, sogar Kinder und Greise müssen dabei gewesen sein, alle waren da und
es hat ihnen Spaß gemacht, sie haben offenbar genossen, was da auf der Bühne
an Mord und Totschlag ablief - und an Witz und Zote, freizügig wie nie in
unserer bis zur Krawatte geschlossenen Gesellschaft. - Vergessen wir nicht: der Staat zahlte jedem, der
ins Theater ging, den berühmten Obolus: das war nicht nur ein Zuschuss, wie das
heute üblich ist: das war der volle Betrag für die Eintrittskarte. Goldene
Zeiten! Heute kann das der Staat nicht mehr leisten, wohl des enormen
Fortschritts wegen, dem wir seit zweieinhalbtausend Jahren ausgesetzt sind. Bemerkenswert übrigens, womit man sich damals auf
dem Theater auseinandergesetzt hat: das war nicht nur soft-’sex and crime’,
wie im FS heutzutage, neineinein - da ging es in jedem Stück auch noch um
Politik, und zwar meist um aktuelle, im Moment jeden Bürger interessierende
politische Themen und Fragen, um Tagespolitik, und das mit satirisch
gepfefferter Kritik an den Missständen, Fehlern, Dummheiten, und Verbrechen der
upper ten, der Moneymaker und machtgeilen Politkasperl, Kritik, die auch vor den
namhaftesten Gangstern, Versagern und Dummköpfen nicht haltmachte. Heutzutage wäre das unmöglich: bei uns ist das
Sache des Kabaretts, der Kabarettisten, Hildebrand, Polt, Zimmerschied, niemals
des Theaters. „Kultur“ und „Kunst“ dürfen bei uns offenbar nichts mit
dem Alltag zu tun haben, mit dem Leben, wie es wirklich ist.
Ganz anders bei den alten Griechen: da sind die
Theater übergelaufen, weil jeder überzeugt war, daß es ihn was anging, wegen
ihm werde das ganze Theater veranstaltet, das Stück in Szene gesetzt. - (sieht
einen Zuschauer leicht vorwurfsvoll aber amüsiert an)
Nicht gesext! Gesetzt! - Dabei haben Sie natürlich recht: der Trick, warum das
so funktionierte, war der gleiche, wie bei ‘Bild’, ‘SAT 1’ und ‘RTL
plus’: sex und crime, da hat sich nichts geändert. Ich frage Sie: Hat sich überhaupt je etwas geändert?
- Ich behaupte: nein, nicht das geringste! Die drei Dinge, die das menschliche
Hirn zustandegebracht hat, haben einige Leute ihr Geld verdienen lassen,
ansonsten haben sie nichts bewirkt, außer, dass wir vielleicht eben dabei sind,
mit ihrer Hilfe die Erde zu ruinieren, unseren Lebensraum - wie? - Was das für
Erfindungen waren? - Na, denken Sie nach, es gibt wirklich nur drei: das Rad,
den Nylonstrumpf - schön, die Kunststoffe - und den Mikrochip. - Ansonsten:
keinerlei Veränderung: die Triebe sind die gleichen wie zur Zeit der Höhlenmenschen,
und befriedigt werden sie in unserer Zeit haargenau wie damals von unseren Vorvätern: Die Männer meinen, sie müssten
kämpfen, Kriege führen, Feinde besiegen, Helden sein, Reiche und Welten
erobern, und ständig beweisen, was für tolle Kerle sie sind, und haben sie das
dann geschafft, dann ist alles den Bach runter - und dann gehen sie heim zu
Mammi und weinen sich aus, den Kopf in ihrem Schoß. - Und die Frauen - tja, was
ist mit den Frauen? Können Sie mir weiterhelfen? - Der Sex liegt beiden
gleichermaßen am Herzen - richtig: weniger am Herzen, als zwischen den Beinen -
ist also ein Anliegen beider Geschlechter - |