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Schauspiel

William Shakespeare
Ein Sommernachtstraum

Übersetzung und Bearbeitung: Klaus Schlette

Darsteller: Das Stück kann wie alle Shakespeares mit 12 Darstellern besetzt werden.

Ein Herzog und seine Braut, zwei Liebespaare, die sich nicht entscheiden können, wer wen wirklich will,
ein mit seiner Königin verkrachter Elfenkönig, ein halbes Dutzend Handwerker, die zur Hochzeit ein Stück um
Pyramus und Thisbe aufführen wollen, dazu Puck, ein Geist, der alles noch mehr durcheinander bringt,
und das alles in der kürzesten Nacht des Jahres - Theseus heiratet Hippolyta, Lysander Hermia, Demetrius Helena,
die Handwerker führen ihr Theaterstück auf, und Oberon und Titania sind endlich auch wieder versöhnt.

Bestellnummer: 9429

Leseprobe:

1   THESEUS, HIPPOLYTA

THESEUS  Hippolita, nun rückt die Hochzeitsstunde
uns sehr rasch näher: vier volle Tage bringen
den neuen Mond; doch o, wie langsam nimmt
der alte ab! Er hält die Sehnsucht hin,
wie eine Witwe, die dem Stiefsohn langsam
den Beutel leerfrisst, weil sie zu lange lebt.

HIPPOLYTA  Vier Tage tauchen schnell in Nächte unter,
vier Nächte träumen schnell die Zeit hinweg,
und dann scheint neu gespannt der Silberbogen
des Monds vom Himmel nieder auf das Fest
unsrer Hochzeitsnacht.

THESEUS               Geh, Philostrat, und bring
die Jugend von Athen zu frohen Spielen,
erweck den Geist der Heiterkeit, der Lust,
verbann den Trübsinn fort zu Leichenzügen:
der bleiche Gast passt nicht zu unsrer Pracht.
      
(PHILOSTRAT ab)
Hippolyta, mit Schwert und mit Gewalt
warb ich um dich, und hab dein Herz gewonnen;
zur Hochzeit geht’s in einer neuen Tonart:
mit Pracht und Jubel, Spiel und Schwelgerei.

     EGEUS und HERMIA auf.

EGEUS  Glücklich sei Theseus, unser großer Herzog!

THESEUS  Dank, lieber Egeus. Was bringst du uns Neues?

EGEUS  Sehr verärgert komm ich und verklage
mein Kind hier, meine Tochter Hermia. -
Tritt vor Demetrius. - Mein Fürst, der ist’s,
dem ich versprochen, dass er sie zur Frau kriegt.
Tritt vor, Lysander: und, mein gnädiger Herr,
der ist’s, der meinem Kind den Kopf verdreht.
Ja, du, Lysander, du schriebst Verse ihr
und tauschtest Liebespfänder mit ihr aus,
du sangst im Mondlicht unter ihrem Fenster
mit falscher Stimme Lieder falscher Liebe,
und prägtest dich verstohlen in ihre Phantasie
mit Löckchen, Ringen, Sträußchen, Tand und Flausen,
läppischen Tricks und Naschwerk, - Boten, die
arglosen Kindern mächtig imponieren, -
mit Arglist stahlst du meiner Tochter Herz,
verkehrtest ihren kindlichen Gehorsam
in eigensinnigen Trotz. Und wenn sie jetzt,
mein Fürst, vor Eurer Hoheit nicht verspricht,
doch den Demetrius zum Mann zu nehmen,
besteh ich auf dem alten Recht Athens,
des Vaters Willen bei ihr durchzusetzen,
dann kann sie wählen zwischen diesem Mann
und ihrem Tod, den das Gesetz für sie
in diesem Falle ohne Aufschub vorsieht.