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Schauspiel

Aischylos
Der gefesselte Prometheus
Übertragung und Bearbeitung: Klaus Schlette

Darsteller: 6 m, 2 w, 1 Bild

Die erste große Tragödie abendländischer Dichtung: Auflehnung gegen jedwede Gewaltherrschaft und Unmenschlichkeit im Himmel wie auf Erden - heute noch ebenso gültig und modern wie vor 2000 Jahren.
Er wagte den neuen Göttern, denen er auf den Thron geholfen hatte, zu trotzen und den Schwächeren zu helfen.
Die Machthaber bestraften ihn mit unmenschlichen Qualen. Und da war dann keiner, weder ‘hoch’ noch ‘niedrig’,
der noch zu ihm gestanden und versucht hätte, seine Leiden zu lindern.

Bestellnummer: 9431

Leseprobe:

PROMETHEUS  Ich bin dir dafür dankbar, will dir's nie vergessen,
an gutem Willen fehlt es dir bestimmt nicht. Doch
bemüh dich nicht. Vergebens, ohne Nutzen wird
für mich es sein - selbst wenn du dir Mühe geben willst.
Nein, du, verhalt dich besser still, misch dich nicht ein;
denn was ich selber auch ertragen muss, ich möchte nicht,
daß andere das gleiche Unglück trifft.

      O nein, schon meines Bruders Atlas Schicksal ist
mir unerträglich: fern im Westen muss er stehn
und auf den Schultern stets des Himmels und der Erde
Gewölbe tragen, eine Last, die unbegreiflich.
Und selbst als ich mit ansehn musste, wie der Sohn
der Erde, Typhon, das riesenhafte Ungeheuer
mit hundert Drachenköpfen, bezwungen ward, ging mir
das nahe. Den Göttern allen hatte er sich gestellt,
aus seinem grausen Rachen schoss er Feuerstürme,
tödliche Strahlen, Blitze aus den Augen, fest entschlossen,
gewaltsam die Gewalt des Zeus zunicht zu machen.
Doch hat ihn Zeus mit seiner stets bereiten Waffe,
dem Blitz, getroffen, dass die stolzen Phrasen ihm
im Halse stecken blieben; mitten in das Herz
getroffen, brannte seine Kraft im Donner aus.
Dann schleudert auf den hingestreckten Leib Zeus noch
den Ätna nieder, auf dessen Gipfel jetzt Hephaistos
sein Eisen schmiedet. Und von dort ergießen sich
von Zeit zu Zeit nun Feuerströme auf das sonst
von Früchten strotzende Sizilien, immer wenn
Typhons ohnmächtig wilde Wut mal überwallt.

      Du bist nicht unerfahren, brauchst nicht meinen Rat.
Sorg du für deine Sicherheit, so gut du kannst.
Ich muß den bittern Becher selbst austrinken und
bis zur Neige, bis der Zorn des Zeus sich endlich legt.

OKEANOS  Glaubst du denn nicht, Prometheus, dass es Worte gibt,
die heilsam wirken können, dass der Zorn sich legt?

PROMETHEUS  Ja, wenn man sie zur rechten Zeit als Balsam braucht,
und nicht gewaltsam wilde Wut zu dämpfen sucht.

OKEANOS  Und wenn mit gutem Willen man es wagt - was kann
das schaden? Siehst du einen Nachteil? Sag es mir.

PROMETHEUS  Vergebliches Bemühn: Gutmütigkeit und Einfalt.