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Schauspiel

William Shakespeare
Troilus und Cressida

Übersetzung und Bearbeitung: Klaus Schlette

Darsteller: Das Stück kann wie alle Shakespeares mit 12 Darstellern besetzt werden.

Es gibt keine Vernunft. - Nur ein Beweis: heute, nach ca. 2,5 Millionen Jahren Entwicklung - damals ward durch 
Vergrößerung des Hirnvolumens der Vor- zum Ur-Menschen - gibt es immer noch Kriege in der Welt und mehr als 
je zuvor. Den ersten großen 'belegten' Krieg hat William Shakespeare zu einer grandios bösen Satire verarbeitet, 
in der er diese Vernunftlosigkeit, die Dummheit und Idiotie anprangert, die jeden Krieg jeder Zeit bis heute auszeichnet. 
Der einzige Unterschied zu unserer Zeit: damals haben die Platzhirsche, die Aufhetzer und Antreiber, die Leithammel 
noch selbst mitgemischt, nicht nur ihre Anhänger, die Schöpse und Ochsen, sich schlachten lassen, wie das heute 
üblich ist.

... gewonnen wird ungemein vieles: Shakespeares Text und Spaß. (Die Zeit)

Nicht um die theaterrevolutionär neue Form hat sich Klaus Schlette bemüht, sondern um eine zum Mit- und vor allem zum Nachdenken ungemein anregende, wenn ihm der trojanische Krieg, das nimmermüde Schlachten um die „Hure" Helena 
Anlass ist für Parodie, für ätzend ausgeschüttete Satire. Und die brennende Aktualität ist immer dabei. (Stuttgarter Zeitung)

Bestellnummer: 9530

Leseprobe:

6       GRIECHENLAGER, vor Achilles' Zelt - THERSITES; Patroklus, Achill

THERSITES  Und jetzt, Thersites? Verloren im Labyrinth deines Zorns. a.sp. Soll der Elefant Ajax so davonkommen?
Er schlägt mich, und ich beschimpf ihn: Tolle Genugtuung! Dann dieser Achill! Sie haben beide so einen kleinen,
 klitzekleinen Verstand, dass sie es kaum fertigbringen, eine Fliege vor einer Spinne zu retten, ohne ihren Zentner
Stahl aus der Scheide zu ziehen und das Netz zu zerhauen. Im übrigen wünsch ich dem ganzen Lager die Pest -
oder lieber die Syphilis! Ich denke, das ist das Rechte für alle, die um ein Lächeln Krieg führen. Mein Gebet ist
fertig, der Teufel Bosheit sage Amen. - He, Achilles!

PATROKLUS auf  Wer ist da? Thersites! Komm rein und schimpfe.

THERSITES  Hätt ich an vergoldetes Blech gedacht, wärst du meiner frommen Betrachtung nicht entschlüpft;
aber es macht nichts: dir wünsch ich dich selbst an den Hals! Dein  Leben führe dich bis zum Tod! Amen.
Wo ist Achill?

PATROKLUS  Was? Bist du fromm? Hast du gebetet?

THERSITES  Ja; der Himmel erhör mich!

ACHILLES auf  Wer ist da?

PATROKLUS  Thersites.

ACHILLES   Wo, wo? Bist du da? Mein Käse, mein Abführmittel, warum hast du dich so lange nicht bei mir aufgetischt?

THERSITES  Du hast recht, das ist unverzeihlich, denn du strotzt so vor Dummheit, dass du bald platzt,
weil dein Patroklus, dieser Heini, dir nichts anderes vorlegt.

PATROKLUS  Du Drecksack!

THERSITES  Still, Heini, ich bin noch nicht fertig.

ACHILLES  Der daaf dat. Nur weiter, Thersites.

THERSITES  Achilles ist ein Heini, Thersites ist ein Heini, und wie gesagt, Patroklus ist ein Heini, natürlich.

ACHILLES  Warum du selbst?

THERSITES  Weil ich mit dir red.

PATROKLUS  Warum bin ich einer?

THERSITES  Frag deinen Schöpfer. Mir reicht, dass du’s bist. Seht, wer da kommt.

ACHILLES  Patroklus, ich will mit niemand reden. Komm mit mir rein, Thersites.                     ab

THERSITES  singt 
            Dummheit, Niedertracht, Eitelkeit,
            Heuchelei und Erbärmlichkeit!

            Und worum geht's?

            Der Hahnrei kräht und die Hure lacht,
            und der Rubel rollt, wenn der Schädel kracht,
            und jeder - und jeder wird noch unter die Erde gebracht.

            Und darum geht's!

            Krieg und Lüge und Lüge und Krieg,
            die bleiben immer in Mode.

            Hol sie der Geier!                     ab