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Schauspiel

Herbert Bauer-Brauneis
Bad Feistenbrunn

Darsteller: 3 m, 2 w

Bad Feistenbrunn, ein unbedeutendes Provinzstädtchen, ist aus seinem Dornröschenschlaf erwacht, hat sich zum aufstrebenden Kurort entwickelt und wurde so zum Quell des Wohlstands seiner Bürger.
Bis eines Tages der Kurarzt feststellt, dass das Trinkwasser vergiftet ist. Als auch noch der Chefredakteur des Lokalblattes glaubt den Grund hierfür gefunden zu haben und auf der Weste des Bürgermeisters dunkle Flecken entdeckt, scheint sich das Ganze zu einem handfesten Umweltskandal auszuwachsen.
Die heile Welt Bad Feistenbrunns droht aus den Fugen zu geraten. Doch dann wird ein Mechanismus von Drohungen und Lockungen in Gang gesetzt, bis letzten Endes wieder alles läuft wie geschmiert.

Bestellnummer kom9614

Leseprobe:
Laura: Was ist denn passiert, Claus? War ein unangenehmer Brief dabei?

Dr. Birkenstein: Das muss man wohl so sagen. Glauben wir nicht alle an einem Quell der Gesundheit zu leben? Meinen wir nicht alle, dass wir unseren Kurgästen hier bei uns derart gesunde Lebensbedingungen bieten können, so dass wir die Kranken direkt hierher locken, um ihren Heilungsprozess zu beschleunigen?

Kieshammer: Freilich und das propagieren wir ja auch entsprechend und vor allem erfolgreich. Unsere Prospekte sind gespickt mit Zitaten aus Deiner Studie, Claus.

Aufmacher: Und wir von der Zeitung tragen ebenfalls unseren Teil dazu bei.

Dr. Birkenstein: Und jetzt stellt sich heraus, dass alle einem gewissen Dr. Birkenstein offensichtlich zuviel Glauben geschenkt haben. Dieser Herr hat bedauerlicherweise zuwenig umfassend recherchiert.

Kieshammer: Claus, wie meinst Du das? Ich kann Dir beim besten Willen nicht folgen.

Aufmacher: Ja, werden Sie bitte deutlicher!

Laura: Nun red' schon!

Dr. Birkenstein: Unser Bad Feistenbrunn gleicht zu bestimmten Zeiten im Jahr weniger einem Gesundbrunnen als einer Giftküche, das dürfen Sie mir glauben.

Aufmacher: Wie?

Dr. Birkenstein: Nun, zur Zeit der Schneeschmelze und nach heftigen Unwettern treten die Quellbäche, auch die, die unseren Trinkwasserspeicher füllen, über die Ufer und überschwemmen die Berghänge unseres Tales. Nachdem dabei der Boden ausgeschwemmt wird, gelangen Schadstoffe, die im Boden enthalten sind in verstärktem Maße in unser Trinkwasser.

Aufmacher: Welche Schadstoffe?

Dr. Birkenstein: Das werden Sie nicht wissen, Herr Aufmacher. Zu viele wissen es nicht oder haben es bereits verdrängt. Auf der Breitenauer Höhe, oberhalb unseres Trinkwasserspeichers befand sich während, bzw. kurz nach dem Krieg eine Deponie mit alten Wehrmachtsbeständen. Es handelte sich dabei um eine größere Anzahl von Fässern, über deren genauen Inhalt niemand mehr Bescheid weiß. Diese Fässer wurden bereits Ende der vierziger Jahre von den amerikanischen Streitkräften abtransportiert. Tatsache ist, dass seinerzeit einige dieser Fässer wohl undicht gewesen sind und deren Inhalt zumindest teilweise im Erdreich versickert ist. Bodenproben haben jetzt ergeben, daß dort die Erde mit giftigen Schwermetallen und chemischen Stoffen, wie sie z.B. in Pestiziden zu finden sind, kontaminiert ist. Diese Giftstoffe gelangen dann zur Zeit der Schneeschmelze und nach starken Regengüssen auf dem beschriebenen Wege in unser Trinkwasser. Was nicht im Trinkwasserspeicher aufgefangen wird, kommt auf dem üblichen Weg in die Zuläufe unseres Sees, sodass die Schadstoffe in geringerer Konzentration auch noch im Seewasser nachzuweisen sind.

Kieshammer: Unglaublich! Wie bist Du denn da draufgekommen, wie hast Du das entdeckt, Claus?

Dr. Birkenstein: Im Frühsommer letzten Jahres traten untypisch häufig dermatologische und gastritische Erkrankungen auf, was mich auf Infektionen durch das Trinkwasser brachte. Als ich jedoch kurze Zeit später die Qualität des Trinkwassers analysieren ließ, zeigte sich keinerlei Besonderheit. Im Herbst habe ich dann selbst das erste Mal von dieser Geheimnis umwitterten Deponie gehört und als sich heuer im Frühjahr dieselben Krankheitsbilder erneut zeigten, zögerte ich diesmal keinen Moment und ließ Bodenproben oben auf der Breitenau, sowie Trinkwasserproben direkt aus dem Trinkwasserspeicher entnehmen. Anschließend habe ich die Proben zur exakten, laborwissenschaftlichen Analyse an die Universität Heidelberg geschickt. Soeben habe ich mit der Post die Bestätigung meiner Befürchtungen erhalten.