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Klaviertrio

Klaus Obermayer: "Kuriose Legenden"

"Kuriose Legenden" für Klaviertrio ist im Sommer 2004 entstanden, dauert ca. 25 Min. und ist von mittlerem Schwierigkeitsgrad.
Angeregt zu diesem Werk wurde der Komponist durch die fantastischen Erzählungen „Vatikanische und andere Idyllen"
von Herbert Rosendorfer und dem Trio Bamberg, denen dieses Opus auch gewidmet ist.

Die Uraufführung fand mit großem Erfolg am 28. April 2005 in der Friedrich-List-Halle in Reutlingen statt.
Das Opus beinhaltet die Sätze:
Introduction "Die Tiroler sind lustig"
Mazurka "Andreas Hofer-Ballade"
Romanze "Die Berge ..."
"... und der ganze Rest"

ISMN M-50094-193-4 Bestellnummer: kom0406 39,60

Kritik der Uraufführung:

Reutlinger Generalanzeiger 30.04.2005

Kammermusikzyklus - Kuriose Legenden in der Listhalle: von Herbert Rosendorfer gelesen, von Klaus Obermayer vertont und vom Trio Bamberg uraufgeführt

Tiroler Wunder in Wort und Klang

VON ARMIN KNAUER

REUTLINGEN. Ist Ihnen der Heilige Frühmesner vom Agathwald ein Begriff? Nicht? Dabei ist seine Frömmigkeit doch Legende! Seine Demut etwa soll solche Ausmaße angenommen haben, dass sie lawinenartig die Tiroler Berghänge herunterrollte und ganze Ernten vernichtete. Von derlei Wundern wusste der aus Südtirol stammende Autor Herbert Rosendorfer am Donnerstagabend beim Kammermusikzyklus in der Reutlinger Listhalle zu berichten. Und das Trio Bamberg spielte dazu die vom Münchner Klaus Obermayer extra dafür komponierte Musik.

Zehn Jahre gibt es das Trio Bamberg, zu diesem Anlass hatten die Zyklus-Organisatoren die Rosendorfer-Vertonung angeregt. Am Donnerstag wurde sie uraufgeführt, und passenderweise trug der Autor die zugrunde liegenden Texte zwischen den Sätzen selbst vor.

Das Thema hätte nicht besser gewählt sein können, um der allgemeinen Papst-Hysterie ein ironisches Überdruck-Ventil zu öffnen. Treibt der Autor doch in seinen »Vatikanischen Idyllen« den Kult ums katholische Heiligenwesen (Stichwort: »santo subito«) mit Lust ins Absurde. In ungebremster Glorifizierung entwirft er die Legenden einiger Heiliger aus Tirol, dem Land also, »wo die Katholizität sich stellenweise so verdichtet, dass sie mit dem Schneepflug geräumt werden muss«. All diese Absurditäten trug Rosendorfer mit solch stoischer Ungerührtheit vor, dass es erst recht zum Lachen reizte. Selten hat man im Kammermusikzyklus eine so amüsierte Stimmung im Saal erlebt.

In seiner Vertonung gewährte Klaus Obermayer den drei Musikern an Klavier, Cello und Geige reichlich Gelegenheit, Saiten- und Tastenschmelz zu entwickeln. Rosendorfers Karikatur auf hinterwäldlerisches Frömmlertum spiegelte der Komponist in schwelgenden Melodien aus der Mottenkiste romantischer Gefühligkeit, die er jedoch immer wieder durch das Einbrechen rauer Dissonanzen als eitlen Wahn entlarvte. Oder er gab sie der Lächerlichkeit preis, indem er sie in naive Kinderliedmelodien vom Schlage »Die Tiroler sind lustig« münden ließ.

Während der zweite Satz in Melancholie badete und der dritte in walzernden Volksweisen tirolerte, bürstete das Finale Rossinis Ohrwurm-Motiv aus der Ouvertüre zum »Barbier von Sevilla« gegen den Strich. Insgesamt ergänzten sich Rezitation und Musik zu einem gelungenen Stück Unterhaltung.

Im zweiten Teil stand Schuberts großes Klaviertrio Es-Dur auf dem Programm, eine Klangwelt, in der sich das Trio sichtlich wohl fühlte. Wie mit chinesischer Tusche gezogen erklangen die Geigenlinien von Jewgeni Schuk, bis in äußerste Feinheiten abgestuft der Klavierpart von Robert Benz, warm und samtig das Cello von Stephan Gerlinghaus. Vom gelösten Dahinströmen über vitales Ausgreifen bis hin zu impulsiven Ausbrüchen gaben die Musiker jeder Stimmung ihre eigene Balance. Nach den Schmunzeleien des ersten Teils war das Kammermusik, die mit jedem Takt neue Horizonte aufriss. Beides zusammen ein Konzertabend, der vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. (GEA)