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Tonträger

music for five

Musik für Holzbläser - Bläserquintett
Tatjana Ruhland (Flöte), Irene Jäger (Oboe), Ralf Forster (Klarinette),
Harald Maier (Horn), Andreas Zenke (Fagott)

W. A. Mozart (1756 - 1791) Divertimento Nr. 14 B-Dur - KV 270
(original für 2 Oboen, 2 Hörner, 2 Fagotte)
Klaus Obermayer (geb. 1943) – Tanz-Suite
Karl Kolbinger (geb. 1921) – simple music for five

CD-Music for five Best. Nr. 9306-CD 13,00

 

 

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Divertimento Nr. 14
- B-Dur, KV 270
(original für 2 Oboen, 2 Hörner, 2 Fagotte – für Bläserquintett bearbeitet von Günther Weigelt)
Das Divertimento galt zu Mozarts Zeiten als Musik der Zerstreuung und fand häufig, so auch in diesem Falle, als Tafelmusik beim Hofe Verwendung.
Mozart schrieb zwischen 1775 und 1777 sechs Werke für die Besetzung aus je zwei Oboen, Hörnern und Fagotten. Die kurze Prägnanz und der heitere Grundklang der einzelnen Sätze ist Indiz für diesen gebrauchsmusikalischen Einsatz. Gleichwohl scheint Mozart, wie schon der Biograph Hermann Abert anmerkte, viel Freude an diesen Stücken empfunden zu haben, "denn sie sprühen geradezu von Geist und Laune und wissen auch den einfachsten Gedanken neu und fesselnd zu gestalten".
In der Tat verstand Mozart seine Divertimenti als Terrain präzisen kompositorischen Arbeitens, wobei die Konzentration auf wenige motivische Gestalten zur Prämisse erhoben wird. Auf kleinem Raum werden dabei all die Spezifika entwickelt, die man im Wesentlichen an den großen Arbeiten Mozarts anzutreffen sucht: assymetrische metrische Gebilde (zum Beispiel im Menuett des B-Dur-Divertimentos), synkopische, durch querstehende Dynamik hervorgehobene Wendungen, thematische Genauigkeit sowie die Kühnheit ihrer inneren Verschränkung.
Allein das thematische Material ist auf einfache, oft an Dreiklangsbildungen ausgerichtete Thematik reduziert - so fällt im B-Dur Divertimento die Ähnlichkeit der melodischen Gestalten über alle vier Sätze ganz unmittelbar ins Ohr, eben wegen der bewußten Beschränkungen auf zentrale Gestalten.
Solche kompositorische Reduzierung aber ist nicht allein ein Merkmal des frühen Mozart, immer wieder suchte er am einfachen Ton seine kompositorische Souveränität zu beweisen, so etwa in der "Sonata facile", in der "Kleinen Nachtmusik" oder auch in manchen Liedformen der "Zauberflöte".
Eine explizite Hierarchie der kompositorischen Stilmittel, wie sie dann das 19. Jahrhundert ausbildete, war Mozart noch weitgehend fremd.

Klaus Obermayer (geb. 1943)
Tanz-Suite für Holzbläserquintett

Dieser kompositorischen Haltung fühlen sich auch die beiden Werke neueren Datums verpflichtet. Klaus Obermayers Tanz-Suite entstand in lockerer Folge in den Jahren 1989 bis 1993.
Mit augenzwinkerndem Humor werden Tanzcharaktere wie Walzer, Tarantella, Tango, Blues und Galopp auf spezifische Charakteristika abgeklopft und durch geschickte melodische Rückungen oder eigenwillige Wendungen in überraschende Farbwerte getaucht. Bekannte Gesten werden durch leichte Übertreibungen bewusst kenntlich gemacht.
So stehen die einzelnen Tänze sowohl für sich als Vertreter der Gattung, zugleich aber sind sie als heiteres Nachdenken über Stereotype und ihre "Verbiegungen" Musik über Musik, vergleichbar den Transformationen von Tanzcharakteren in Arbeiten etwa eines Igor Strawinsky.

Karl Kolbinger (geb. 1921)
simple music for five für Holzbläserquintett

Der Spielmusik leichteren Genres ist auch Karl Kolbingers 1904 entstandenes Bläserquintett "simple music for five" zuzurechnen. Kolbingers langjährige Erfahrung als Fagottist bei den Münchner Philharmonikern und beim Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks kommt in dieser Komposition - wie auch in vielen anderen Werken Kolbingers für Bläserbesetzung - nachhaltig zur Entfaltung.
Besonders die gestische Ausgestaltung der musikalischen Erfindung sowie die Abstimmung der Klangcharakteristika in durchbrochener thematischer Arbeit ist genuin den Eigentümlichkeiten des Bläsersatzes abgelauscht.
Die Betonung des Leichten im Titel meint, wie auch die Facile-Sätze Mozarts, sowohl den Schwierigkeitsgrad beim Spielen, als auch die kompositorische Ausführung. Mit wenigen Strichen werden typische Charaktere gezeichnet (etwa in der bizarren Groteske, der gesanglich ausgezierten Melodie oder im prägnanten Thema des Rondo) und geistreich durchgeführt.
Die präzise Klarheit jedes Satzes beweist schlagend, dass auch innerhalb heutigen Musikschaffens die Hervorhebung des Leichten nicht gleichbedeutend mit Trivialität oder mit Rücknahme kompositorischen Esprits sein muss.
Dr. Reinhard Schulz