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Bayernhymne

Gott mit Dir, du Land der Bayern, deutsche Erde, Vaterland!
Über deinen weiten Gauen walte seine Segenshand!
Er behüte deine Fluren, schirme deiner Städte Bau
und erhalte dir die Farben deines Himmels weiß und blau!

Gott mit dir, dem Bayernvolke, daß wir uns’rer Väter wert,
fest in Eintracht und in Frieden bauen uns’res Glückes Herd!
Daß mit Deutschlands Bruderstämmen einig uns ein jeder schau
und den alten Ruhm bewähre unser Banner weiß und blau!

Der Komponist: Konrad Max Kunz, geboren am 29. April 1812, als Sohn des Stadttürmers im Blasturm zu Schwandorf,
gestorben am 3. August 1875 in München. Chordirigent der königlichen Oper in München und „Singmeister" der Münchner
Bürger-Sänger-Zunft von 1855 - 1863 und von 1866 - 1867.

Der Dichter:Michael Öchsner, Sohn eines Münchner Lehrers, geboren am 2. Februar 1816, Lehrer in München, Verfasser von Lesebüchern seit 1852, Begründer und Herausgeber der Lehrerzeitungen „Bayerische Schulzeitung" (1857) und „Bayerischer Schulfreund" (1860), gestorben am 8. Oktober 1893.

Das Lied „Für Bayern" war seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bereits weit verbreitet, bevor es durch Initiativen des Bayerischen Landtags offizielle Hymne des Freistaates wurde.

Dichter der Urfassung war der Münchner Lehrer Michael Öchsner, Herausgeber der ersten Zeitschrift des Bayerischen Lehrervereins. Komponist war Konrad Max Kunz, Professor am Münchner Konservatorium (heute Musikhochschule) und Chordirigent in der Königlichen Oper (heute Staatsoper) und im Bayerischen Sängerbund. Öchsner und Kunz wirkten zusammen in der alten Münchner Bürger-Sänger-Zunft, der sie 1860 das Lied „Für Bayern" widmeten. Es verbreitete sich rasch in Vereinen, in denen Öchsner, Kunz und ihre Freunde von der Sängerzunft mitwirkten (Schützenvereine und die in den Jahren seit 1860 neu gegründeten Turnvereine, Bayerischer Lehrerverein und Baye-rischer Sängerbund).

Als die Nationalhymne der Weimarer Republik 1952 zur Hymne der Bundesrepublik Deutschland bestimmt worden war, beschloß der Bayerische Landtag einstimmig, die Deutschlandhymne und das Lied „Für Bayern" sollten in den Schulen gelehrt und gemeinsam im Bayerischen Rundfunk verwendet werden.

In der Urfassung von 1860 gab es eine dritte Strophe, die sogenannte „Königsstrophe". Ihr erster Vers lautete: „Gott mit ihm, dem Bayernkönig! Segen über sein Geschlecht!" 1918 wurde diese Strophe in den meisten Liederbüchern getilgt. Der bayerische Dichter Josef Maria Lutz verfaßte 1946 eine neue dritte Strophe. Sie beginnt mit den Worten: „Gott ... mit allen, die der Menschen heilig Recht treu behüten und bewahren!"

Diskussionen über unterschiedliche Textgestaltungen beendete Ministerpräsident Franz Josef Strauß mit einer Bekanntmachung vom 18. Juli 1980. Darin ist festgelegt, daß der 1953 beschlossene zweistrophige Text, der im wesentlichen der Urfassung entspricht, bei offiziellen Anlässen verwendet wird.

(Aus einem Artikel von Dr. Johannes Timmermann, Leiter des Archivs der Bürger-Sänger-Zunft, München)

Zur Entstehungsgeschichte

Eigentlich wollte Konrad Max Kunz Mediziner werden. Sein musikalisches Talent liess sich aber nicht unterdrücken und so wandte er sich schon bald der Musik zu und verzichtete auf ein weiteres Universitätsstudium. Hofkapellmeister Franz Lachner schlug den Musiklehrer und Dirigenten der Münchener Liedertafel, Konrad Max Kunz, als Chordirektor der königlichen Hofoper vor. Am 1. Juli 1845 wurde dieser als Chordirigent der kgl. Oper in München bestellt.

Sein kompositorisches Schaffen ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Unter seinen zahlreichen Kompositionen ist lediglich „Prinz Eugen, der edle Ritter" noch allgemein bekannt. In Bayern ist der Komponist durch seine Bayern-Hymne „Gott mit dir, du Land der Bayern" bekannt geworden und hat sich damit in den Herzen der Bayern ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Im alten Königreich Bayern wurde die Hymne „Heil unserm König, Heil!" mit der Melodie „God save the king!" gesungen. Im Jahre 1858 suchte man nach einer eigenen bayerischen Hymne, doch ohne Erfolg. Da stieß Kunz auf ein Lesebuch für Feiertagsschüler in Landschulen, das schon seit 1852 vom Lehrer Michael Öchsner herausgegeben wurde, und in diesem auf ein Gedicht des Lehrers, das sich zur Vertonung eignete:

Gott mit dir, du Land der Bayern, deutsche Erde, Vaterland! Ueber deinen weiten Gauen ruhe deine Segenshand! Er behüte deine Fluren, schirme deiner Städte Bau und erhalte dir die Farben seines Himmels weiß und blau!

Gott mit dir, dem Bayernvolke, daß wir, unserer Väter wert, fest in Eintracht und in Frieden bauen unseres Glückes Herd. Daß mit Deutschlands Bruderstämmen einig uns ein jeder schau und den alten Ruhm bewähre unser Banner weiß und blau.

Gott mit ihm, dem Bayernkönig! Segen über sein Geschlecht! Denn mit seinem Volk in Frieden wahrt er dessen heilig Recht. Gott mit ihm, dem Landesvater, Gott mit uns in jedem Gau! Gott mit dir, du Land der Bayern, unsre Heimat, weiß und blau!

Kunz vertonte das Gedicht, er ließ sein Lied „Für Bayern" drucken, und schon 1861 war das Notenblatt im Handel erhältlich. Die Melodie muß gefallen haben, und zur Feier des 44. Verfassungstages in der Westendhalle zu München dirigierte Kunz selbst am 26.5.1862 seine „Hymne" als Erstaufführung. Noch im selben Jahr erklang diese Hymne unter seinem Taktstock zur Einweihung der Propyläen. Kunzens Bayern-Hymne hatte sich zur Volkshymne emanzipiert, und am 26.7.1863 sang das Volk diese Hymne auf dem Max-Joseph-Platz vor dem König. Die monarchistische Zeit hielt aber an der Königshymne fest, doch die Volkshymne begleitete diese und überdauerte das Revolutionsjahr 1918. Nach dem zweiten Weltkrieg überarbeitete Josef Maria Lutz den Öchsnerischen Text, der nun gültig ist.

Literaturhinweis: Eine Darstellung der Hymnengeschichte hat der Bayerische Landesverein für Heimatpflege in seiner Zeitschrift „Schönere Heimat", Heft 4, 1996 veröffentlicht. Über Internet ist der Text nachzulesen unter der Adresse:
http://www.stmukwk.bayern.de/heimat/index.html